Was Innovationsmanagement bei Life-Science-Unternehmen bewirken kann

© Technia
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13.04.2022

Beim Innovationsmanagement geht es um die Standardisierung und Umsetzung von Innovationsprozessen. In vielen Branchen schreitet die Entwicklung dieser Disziplin rasch voran. Sie erweist sich als treibende Kraft für die digitale Transformation und Nachhaltigkeitsinitiativen.

Was ist Innovationsmanagement?

Die International Standards Organization (ISO) definiert Innovationsmanagement als eine Disziplin, die sich mit der Entwicklung einer Vision, Strategie und Politik für die Innovation innerhalb einer Organisationsstruktur befasst; die Innovationsprozesse sollen helfen, dass das Unternehmen seine Ziele erreicht, indem Planung, Support, Betriebsabläufe, Leistung und Evaluierung verbessert werden.

Die ISO verweist darauf, dass die Innovationsfähigkeit einer Organisation als ein entscheidender Faktor für nachhaltiges Wachstum, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, gesteigertes Wohlbefinden und die Entwicklung der Gesellschaft angesehen wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das Innovationsmanagement mit der Standardisierung und Umsetzung von Innovationsprozessen befasst. Es handelt sich um eine Disziplin, die sich in vielen Branchen rasch entwickelt und sich als treibende Kraft für die digitale Transformation und Nachhaltigkeitsinitiativen erweist..

Innovationsmanagement – eine ganzheitliche, unternehmerische Sicht auf Innovation

Wir sprachen in diesem Kontext mit Gunnar Storfeldt, CEO und Mitbegründer von Amplify, um mehr über das Unternehmen, die Prozesse und die internationalen Standards zu erfahren, an deren Einführung das Unternehmen beteiligt war.

Nach seinem Abschluss am Royal Institute of Technology in Stockholm begann Gunnar Storfeldt seine Karriere als Produktentwicklungsingenieur. Da er sich mit CAD, CAM, CAE, PDM und PLM bestens auskannte, entwickelte er schnell eine Faszination für die Prozesselemente der Produktentwicklung.

Seine erste Begegnung mit Amplify hatte er als Kunde, als er in der Life-Science-Branche als CEO eines Technologieunternehmens arbeitete, das eingebettete Systeme für medizinische und Laborgeräte entwickelte. Noch während er diese Projekte erfolgreich umsetzte, entschied sich Gunnar für einen Einstieg bei Amplify, da das Unternehmen gerade expandierte.

Seitdem hat Amplify seine Kompetenzen erweitert, um Unternehmen dabei zu unterstützen, eine erstklassige Innovationsleistung zu erzielen. Dies geschieht durch die Erarbeitung von Innovationsstrategien und die Unterstützung bei der Implementierung von Innovationsmanagementsystemen, die für eine ganzheitliche, unternehmensspezifische Sicht auf die Innovation sorgen.

Heute verbringt Gunnar neben der Leitung des Unternehmens einen Großteil seiner Zeit damit, Kunden beim Aufbau nachhaltiger Innovationskapazitäten zu unterstützen und Innovationsprojekte zu begleiten – egal ob es sich dabei um Produkte, Dienstleistungen, Prozesse oder Geschäftsmodelle handelt.

Einheitlicher Standard für Innovationsmanagement

Sie sind jetzt seit mehr als 15 Jahren bei Amplify Innovation tätig. Wie haben sich die Dinge seit diesen Anfangsjahren verändert?

Am Anfang ging es nur um neue Ideen. Bevor wir das Unternehmen gründeten, hatten wir jahrzehntelang daran geforscht, wie man effektiv, systematisch und proaktiv bessere Ideen entwickeln kann – also mit den Prozessen, Methoden und Werkzeugen, die eben diese Aspekte der Innovationsleistung erleichtern. Das Interessante an diesem Ansatz war, dass die Schaffung von etwas Neuem eigentlich sehr mechanisch ablief – Inspiration, Flexibilität und die Anzahl der Ideen spielten gar keine so große Rolle. Wichtiger war die konzentrierte, harte Arbeit eines engagierten Teams, das anhand von wirksamen Methoden und Werkzeugen gute Ideen entwickeln konnte. Wir erzielten einige wirklich großartige Ergebnisse, und deshalb wurden wir auch von immer mehr Kunden beauftragt.

Doch schon bald stellten wir fest, dass es nicht nur um Ideen geht. Die eigentliche Aufgabe der Innovation besteht darin, neue Werte zu schaffen. Ideen allein schaffen keinen Wert. Man muss in der Lage sein, sie zu verwirklichen, umzusetzen und zu implementieren. Man muss dafür sorgen, dass sie auch eine Wirkung entfalten und einen Wert schaffen.

Wir haben also bald erkannt, dass wir uns auch auf die Umsetzung neuer Ideen konzentrieren müssen, und – vielleicht noch wichtiger – dass wir besser verstehen, welche Werte wir überhaupt anstreben. Zunächst einmal müssen wir herausfinden, was unsere Kunden eigentlich brauchen. Manchmal sind die Kunden sich dessen selbst nicht ganz bewusst. Wir müssen die firmeninternen, aber auch die äußeren Trends und Entwicklungen verstehen, um vorhersagen zu können, welche Werte in Zukunft wirklich gefragt sind.

“Die eigentliche Aufgabe der Innovation ist es, neue Werte zu schaffen. Ideen allein schaffen keinen Wert.” Gunnar Storfeldt, CEO & Mitbegründer | Amplify Innovation

Im zweiten Schritt vollzog sich auch ein echter Strategiewechsel. Es gab ja diesen Prozess, der aus dem Nichts zu etwas Neuem führte. Aber wie können wir das erreichen? Das ist eine schwierige Aufgabe, die viel Widerstand hervorruft. Die Menschen sind es nicht gewohnt, mit so etwas zurechtzukommen. Es ist uns also schnell klar geworden, dass wir sowohl bei dem Prozess selbst als auch bei der Art und Weise, wie wir ihn managen, systematisch vorgehen müssen. So ist zum Beispiel das Wissensmanagement von zentraler Bedeutung, da wir es mit Lernprozessen zu tun haben. Wir müssen die Erwartungen verstehen und lenken, um zu gewährleisten, dass die Ziele auch erreicht werden können. Es gibt so viele Faktoren zu berücksichtigen, und ohne Leitlinien oder eine Managementstruktur kann der Innovationsprozess sehr schnell ins Stocken geraten.

Darin bestand also eigentlich die große Veränderung. Wir haben uns von einem sehr praxisorientierten Dienstleister zu einem Managementunternehmen entwickelt, das sich mit Strategien, Coaching von Führungskräften usw. befasst. Dafür gibt es jetzt sogar einen anerkannten Standard. Wir waren maßgeblich an der Entwicklung der Sammlung internationaler Normen beteiligt, der ISO 56000. Es geht also nicht mehr nur um einen einzelnen Berater, einen Dozenten oder ein Bestseller-Buch über Management, sondern um ein allgemein anerkanntes Regelwerk, das in über zehnjähriger Arbeit mit Experten aus mehr als 50 Ländern entwickelt wurde.

Dies bildet die Grundlage für alles, was wir tun: Wir wollen sicherstellen, dass jedes Unternehmen von den Vorteilen des gemeinsamen und bewährten Rahmenwerks profitieren kann, das in diesen Normen beschrieben ist. Das ist von immenser Bedeutung, insbesondere wenn wir von Unternehmen erwarten, dass sie gemeinsam Innovationen vorantreiben, um die großen Herausforderungen zu bewältigen, mit denen die Menschheit konfrontiert ist – Nachhaltigkeit ist eine davon.

Innovationsmanagement in der Life Science Industrie

Viele werden es wohl als etwas überraschend ansehen, dass es ein standardisiertes Konzept für Innovation gibt. Aber wenn es eine Branche gibt, wo das besonders Sinn ergibt, dann ist das wohl Life-Science-Branche, in der all die Regelungen und Compliance-Fragen einen eigenen Innovationsrahmen bilden.

Welche Rolle spielt Amplify in der Life-Science-Branche? Und was sind die besonderen Anforderungen für Innovationen bei der Zusammenarbeit mit Life-Science-Unternehmen?

Zunächst einmal arbeiten wir mit jeder Branche zusammen. Wir kooperieren hauptsächlich mit Wirtschaftsunternehmen, aber auch mit einigen öffentlichen Einrichtungen. Im Bereich Pharma und Medizintechnik haben wir im Laufe der Jahre eine ganze Reihe an Projekten durchgeführt: Astra Zeneca, Mölnlycke, Fresenius, Elekta, um nur ein paar zu nennen. In jedem Unternehmen gibt es unterschiedliche Herausforderungen. Aber das Problem mit den Vorschriften haben alle gemeinsam, und das kann in dieser Branche zu Trägheit verleiten. Die häufigste Ausrede für Innovationen lautet: “Das ist wegen der Vorschriften nicht möglich.“

Um hier Abhilfe zu schaffen, müssen wir dafür sorgen, dass sich im Unternehmen eine einheitliche Denkweise durchsetzt. Natürlich muss man die Vorschriften einhalten. Aber man kann dennoch viele Dinge tun, innerhalb dieses Rahmenwerks Raum für Erneuerung zu finden, ohne die Vorschriften zu verletzen. In manchen Situationen muss man vielleicht auf eine Veränderung hinwirken. Vorschriften können schon einmal in Frage gestellt werden, wenn man eine logische Argumentation für eine Änderung findet.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass sich viele Life-Science-Unternehmen in ihren Erwartungen an die Kunden im Gesundheitssektor selbst Schranken auferlegen. Manchmal herrscht die Auffassung vor, dass neue Verfahren oder Ansätze nicht gut ankommen oder dass sie sich langfristig nicht bewähren werden – da hält man lieber an den bewährten Prozessen fest. Aber mit dieser Einstellung schränkt man sich sehr ein. Der Gesundheitssektor erkennt allmählich die Notwendigkeit eines neuen Denkens – einer radikalen Erneuerung – und viele Betriebe nutzen diesen Rahmen für Innovationen, um die Erwartungen zu übertreffen.

Innovationsmanagement ist keine neue Disziplin

Welche Vorteile ergeben sich heutzutage in der Zusammenarbeit mit Life-Science-Unternehmen?

Wir haben zwar diese Beschränkungen aufgrund von Vorschriften, aber im Vergleich zu anderen Branchen gibt es auch zwei Vorteile. Erstens sind Life-Science-Unternehmen für neue Projekte finanziell recht gut aufgestellt. Bei ihnen wird zum Beispiel sehr viel geforscht, es wird also viel Geld für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Das mag ein gewisses Hindernis sein, wenn man sein Geschäft in anderen Bereichen erneuern will – von der Verpackung bis hin zu Dienstleistungen. Es kam sogar schon vor, dass man uns Zugang zu allen Bereichen eines Unternehmens gewährte, mit Ausnahme des eigentlichen Produkts: weil dieses nämlich den Regulierungen unterlag.

Zweitens herrscht dort im Allgemeinen ein hohes Maß an Bildung und Kompetenz. Und Innovation erfordert ja auch abstraktes Denken, so dass es von Vorteil ist, wenn man in der Lage ist, schnell zwischen verschiedenen Denkweisen zu wechseln.

Oft müssen wir bei der Festlegung einer strategischen Richtung für die Innovation sehr entschieden vorgehen, damit wir eventuelle Hindernisse, die durch Vorschriften entstehen, umgehen können. Wenn man sich stark fokussiert und weiß, worin die eigenen Ambitionen und Ziele bestehen, kann man seine Ressourcen auf diese Bereiche konzentrieren und dadurch Großes erreichen. Wir stellen oft fest, dass Unternehmen, denen diese Einstellung fehlt, auf der Stelle treten.

Wie sehen Ihre Prognosen für künftige Fortschritte im Innovationsmanagement aus?

Innovationsmanagement ist zwar keine neue Disziplin, aber sie befindet sich noch in der Anfangsphase. Jetzt, wo wir die ISO-Norm und das damit verbundene Vertrauen haben, können wir beobachten, dass größere Projekte als professionelle Disziplin in Angriff genommen werden. Es kann lange dauern, bis eine solche Veränderung zum Standard wird. Aber im Vergleich zu vor zehn Jahren sehen wir heute, dass entsprechende Berufsbilder beworben werden, dass Unternehmen bestimmte Vorgaben anerkennen und dass viel für die Normung getan wird.

Wir erleben die gleiche Entwicklung wie vor 60-70 Jahren beim Projektmanagement oder in den 70er und 80er Jahren beim Qualitätsmanagement. Heutzutage ist es für uns selbstverständlich, dass wir diese Disziplinen in unseren Unternehmen implementiert haben.

Oft werden wir gefragt: „Ist Innovation genauso wichtig wie die digitale Transformation oder Nachhaltigkeit?“ Aber das Grundprinzip der Innovation ist ja gerade die Voraussetzung für die Erneuerung in diesen beiden Bereichen. Deshalb erkennen immer mehr Unternehmen Ihren Bedarf an Innovationsmanagement, um diese Initiativen zur Veränderung voranzutreiben.

Nach unserer Erfahrung…

Viele Life-Science-Unternehmen haben erkannt, dass sich die Branche immer vertrauensvoller in Richtung Digitalisierung bewegt. Dies bringt eine Fülle neuer Möglichkeiten für radikale Innovationen mit sich. Da die digitale Transformation das Innovationstempo beschleunigt, müssen Unternehmen Innovationsstrategien entwickeln und umsetzen, um den organisatorischen und industriellen Wandel zu fördern.

Über Amplify Innovation

Amplify ist ein Innovationsspezialist, der eine Reihe flexibler Innovationslösungen anbietet, die genau auf die Anforderungen jedes einzelnen Kunden zugeschnitten sind. Durch die Professionalisierung von Innovation versetzt Amplify seine Kunden in die Lage, schnell, effektiv und mit höchster Präzision neue Chancen zu nutzen und nachhaltige Wirkung zu erzielen.

www.amplifyinnovation.com