Zukunft moderner Medizin in Linz: Medical Cognitive Computing Center

Tablet mit Skelett Hologramm mit Mensch im Hintergrund
Die Anwendung von KI Systemen im Gesundheitsbereich eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der PatientInnenversorgung. © istock.com/metamorworks

12.12.2018

Das Land Oberösterreich sieht das Thema Künstliche Intelligenz (KI) als einen der wichtigsten Technologietrends des nächsten Jahrzehnts und schafft daher mit dem neuen Medical Cognitive Computing Center (MC³) – mit den Partnern JKU, KUK und RISC Software GmbH – ein Zentrum, um eine optimale PatientInnenversorgung durch den Einsatz von neuartigen Methoden im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu erforschen und umzusetzen.

Der Gesundheitsbereich befindet sich im Wandel: Neben den bekannten gesellschaftlichen Herausforderungen wie Überalterung, Versorgungssicherheit und Ressourcenknappheit ist die Digitalisierung ein wesentlicher Treiber. Der Einsatz von Methoden der KI in der Medizin gibt uns die Chance, Krankheiten wesentlich früher zu diagnostizieren, Krankheitsverläufe effektiver zu beobachten und damit Menschen besser zu therapieren. Für die Beantwortung vieler Fragestellungen der medizinischen Forschung, aber auch um eine bestmögliche Versorgung der PatientInnen zu gewährleisten, hat sich die Kombination von medizinischem Fachwissen und Methoden der maschinellen Datenverarbeitung auf Grundlage von großen und hochwertigen Datenbeständen bewährt.

Das neu geschaffene Medical Cognitive Computing Center (MC³) vereint nun das Wissen um die drei Know-how Träger JKU, KUK und RISC Software GmbH. Prim. Prof. Jens Meier, Dekan für Forschung des Kepler Universitätsklinikums (KUK), ist einer der wenigen Mediziner mit Erfahrung in medizinischer Grundlagenforschung in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz zur systematischen Verbesserung der PatientInnenversorgung und in der Versorgungsforschung. „Ein Vorteil der Anwendung von Methoden der KI in der Medizin ist das Erkennen vorher nicht bemerkter Zusammenhänge,“ so Prim. Prof. Jens Meier. An der JKU gibt es bereits mehrere sehr erfolgreiche Forschungsgruppen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, allen voran das Institut für Machine Learning, das von Prof. Sepp Hochreiter geleitet wird. In einzigartiger Weise werden wissenschaftliche Expertise und Erfahrung im maschinellen Lernen mit den Anwendungsgebieten in der Biologie, Genetik und Medizin kombiniert.

Die Forschungsabteilung Medizin-Informatik der RISC Software GmbH aus Hagenberg hat sich aufgrund von mehr als 15-jährigen Aktivitäten mit Medizinerinnen und Medizinern und Gesundheitsdienstean bietern eine starke Position im Bereich der Forschung im Feld Medizin-Informatik so wie einen hervorragenden Ruf als Partner für forschungsin tensive Software-Lösungen erarbeitet. Im Rahmen des Projektes MC³ wird ein Zentrum entstehen, welches die Bereiche Medizinische Forschung und KI-Forschung zu einem kombinierten Schwerpunkt für das Gesundheitssystem in OÖ zusammenführt. Dadurch entstehen wissens- und datenintensive Methoden zur weiteren Optimierung der klinischen PatientInnenversorgung mit dem wissenschaftlichen Schwerpunkt der Versorgungsforschung. Konkret wird an Lösungen für folgende medizinische Problemstellungen gearbeitet:


• Optimierung des PatientInnendurchsatzes auf der Intensivstation

• Erhöhen der Genauigkeit der Behandlungsprioritäten in der Notfallmedizin

• Verbesserung der Auswahl von Blutkonserven

• Vorhersagen von Verschlechterungen der PatientInnen auf Intensivstationen, um präventives Eingreifen zu ermöglichen


Die Projektpartner des MC³ sind Spezialisten, wenn es um den Einsatz von KI in der Medizin geht. Sie greifen auf Know-how und Datengrundlagen zurück, die für andere IT-Firmen meist nicht verfügbar sind. Das Kepler Universitätsklinikum sammelt seit mehr als 10 Jahren sämtliche klinische Daten in einem gut gepflegten Datawarehouse. Hierdurch ist es möglich, Daten aus allen klinischen Bereichen anonymisiert für Prädiktionsmodelle zu exportieren und entsprechend der gesetzlichen Regelungen zu verwenden. Die Rechte der PatientInnen werden durch das Mitwirken der Ethikkommission sowie durch die Einhaltung der geltenden Vorschriften, allen voran der DSGVO und des Medizinproduktgesetzes (MPG), gewahrt. Da lediglich retrospektive Daten analysiert werden, besteht keine PatientInnengefährdung. Zugleich ist durch eine enge Zusammenarbeit zwischen MedizinerInnen, Bio- oder Medizin-InformatikerInnen und KI-ExpertInnen ein inhaltliches Verständnis der zugrundeliegenden Fragestellungen vorhanden. Dies garantiert eine sowohl medizinisch als auch methodisch korrekte Verarbeitung der Daten und Vorhersagemodelle. MC³ ermöglicht die Erhaltung und den Ausbau von hochqualifizierten Arbeitsplätzen. Des Weiteren wird eine qualitativ sehr hochwertige Ausbildung im Rahmen eines wissen schaftlich exzellenten und interdisziplinären Umfeldes ermöglicht. Der Aufbau von wissenschaftlichen ExpertInnen in diesem Bereich soll einerseits das Wachstum des Zentrums selbst ermöglichen und andererseits die Sichtbarkeit und Attraktivität für internationale Wissenschaftler steigern. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht trägt das MC³ wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit der Region des Standortes Oberösterreich bei.